Wir sind im Alltag in aller Regel sehr viel öfter kreativ, als wir gemeinhin denken.
Alltagskreativität und Genuss

Wer genießen kann, setzt sehr wahrscheinlich seine Sinne gezielt ein. Genuss ist ohne Sinnesfähigkeit nicht möglich. Es geht um das bewusste Innehalten, Auswählen und fokussierte sich in etwas Versenken. Dabei kann Genuss in allen Lebensbereichen entstehen und erlebt werden – und ist vor allem auch alltäglich. Es geht um die kleinen Dinge: oftmals kurze, aber intensive Auszeiten, sogenannte Genussmomente. Das gilt für das Stück Schokolade oder Pralinen ebenso wie für den Waldspaziergang oder das Lesen eines Buches oder Artikels in einem Magazin.

Kreativität quasi überlebenswichtig?

Was aber hat Kreativität mit Genuss zu tun? Kreativität ist doch nur etwas für besonders begabte Menschen, die herausragende Dinge neu erschaffen, mögen viele denken. Weit gefehlt. Biologen betrachten Kreativität als grundlegende Eigenschaft aller Lebewesen. Demnach passen sich Individuen fortwährend an ihre Umgebung an – und zwar kreativ. Man mag es kaum glauben. Sind tatsächlich alle Lebewesen auf die eine oder andere Weise kreativ? Und gehört Kreativität zu den essenziellen Dingen des Lebens? Kultur- und Sozialwissenschaftler sehen in der kreativen Gestaltung der Wirklichkeit in der Tat eine grundlegende prägende und identitätsstiftende Aufgabe menschlicher Entwicklung. Kreativität ist folglich eine Notwendigkeit für soziale Gemeinschaften, die Sinn gibt und Struktur schafft und somit ein friedliches Zusammenleben ermöglicht.

Wir sind im Alltag in aller Regel sehr viel öfter kreativ, als wir gemeinhin denken.

Kreativität als Teil von Genuss

Wir müssen also nicht Mozart, Picasso oder Einstein nacheifern, um kreativ zu sein oder als solches wahrgenommen zu werden. Wir sind weitaus öfters kreativ, vermutlich oft genug, ohne es wahrzunehmen. Wenn wir uns also bewusst machen, dass wir weitaus häufiger im Alltäglichen kreativ gestalten, ist es ein nur noch kleiner Schritt zum Genießenkönnen eben dieser Kreativität. Also: Wer mit Liebe kocht und backt, wer sein Auge schult und das Motiv unterwegs erkennt und mit dem Fotoapparat festhält, wer malt, zeichnet, bastelt, wer Tagebuch schreibt, Gedanken, Ideen und Geistesblitze festhält usw. – all das ist schöpferisch und kann Teil von Genuss sein und werden.

Malen gegen Stress

Foto: © BDSI/Nils Hasenau

Ästhetische Dimension der alltäglichen Beschäftigung

„Das Alltagsleben gewinnt an Struktur und Kohärenz, wenn man dessen ästhetische und kreative Aspekte wahrnimmt“, schreibt Rainer M. Holm-Hadulla in seinem Buch „Kreativität – Konzept und Lebensstil“ (Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, 3. Auflage, 2010). „Der Sonnenaufgang, der Duft des Kaffees, die Wärme einer Stimme und das Wohlgefühl unter der Dusche sind nicht nur Nebensächlichkeiten: Sie öffnen die Sinne für die persönliche Umwelt.“ Nach Holm-Hadullas Auffassung wohnt jeder alltäglichen Beschäftigung eine ästhetische Dimension inne.

Foto: © BDSI/Sonja Priller

Demnach sind Essen und Trinken, die Auswahl und Zubereitung von Speisen und Mahlzeiten kreative Aufgaben und Leistungen. Gleiches gilt für die Integration von Bewegung im Alltag bis hin zum individuellen Sportprogramm. Und es gilt selbstverständlich auch für die Entwicklung und Umsetzung einer eigenen Wohnkultur samt Ausgestaltung der Räume oder für das Erschaffen grüner Inseln und Landschaften im eigenen Garten oder besonders gesetzte Akzente auf Balkon und Terrasse. Selbstverständlich fällt in vielen Berufen auch die Arbeitsgestaltung in den Bereich kreativen Denkens und Handelns.

Das kindliche Spiel als Grundlage

Entwicklungspsychologen sehen im kindlichen Spiel durchaus Grundlagen für Kreativität. Fast alle Kinder besitzen die Fähigkeit, „ein totes Objekt mit Leben zu füllen (…)“, heißt es bei Holm-Hadulla. „Das Kind spielt mit allem, dem Bettizipfel, seinen Lauten, mit dem Mond, in dem es ein Gesicht sieht. Das Spielen der Kinder setzt sich im Erwachsenenleben fort (…)“. Dabei ist es gleich, ob wir solche schöpferischen Kräfte auf Kunst und Kultur oder auf die Wissenschaften oder das Wirtschaftsleben beziehen – oder auch als Ausgleich auf das Private.

Beim Geocaching sucht man einen Cache, etwa eine versteckte Box, dokumentiert den Fund, nimmt etwas aus der Box heraus und gibt etwas im Austausch in die Box hinein.

Diesem Gedanken folgend haben wir einige Anregungen für euch:

  1. Wenn ihr möchtet, schärft eure Sinne. Versenkt euch bewusst in das Riechen, Schmecken, Hören, Sehen und Tasten – Sinn für Sinn. Praktische, alltagstaugliche Anregungen findet ihr in unseren Video-Tutorials.
  2. Ihr kocht und backt gern und seid immer wieder auf der Suche nach neuen Rezepten, dann schaut doch mal in unsere kleine Rezepte-Bibliothek. Mit Blick auf den nahenden Sommer und das Mehr an Draußenzeit, haben wir für euch schöne, einfach und schnell zuzubereitende Picknick- und Ausflugsgerichte und -Snacks, die auch eure Gartenparty oder das Grillfest begleiten können. Zum Beispiel: leckere Dips gepaart mit Knabberartikeln wie Chips, Crackern und Knäckebrot.
  3. In unserem Blog haben wir zudem viele Beiträge im Archiv, die für eure Alltagsgestaltung hilfreich sein können: von Tipps für effektive Entspannungsmethoden bis zu Ideen wie Waldbaden oder Geocaching.
  4. Zudem: Nutzt eure Umgebungen im Alltag als Quelle für Inspiration kreativer Ideen oder Prozesse. Schaut und hört genauer hin. Ihr empfindet Motive oder Blicke auf Details, Geräusche oder Klänge schön oder angenehm. Sie verschaffen euch ein Wohlgefühl? Ihr hört oder lest einen tollen Satz, eine Botschaft oder gar einen Aphorismus, der euch bewegt bzw. bei euch ins Schwarze trifft? Dann unterstützt das Erinnern durch eine Notiz in einem Tagebuch für unterwegs oder macht ein Foto oder Video und packt diese Inputs in euren Ideenspeicher.
  5. Was immer ihr auch unternehmt, ob privat oder beruflich, nehmt den Druck raus. Geht möglichst entspannt an kreative, spielerische Gedanken oder Ideen. Nicht umsonst heißt es: „Gut Ding will Weile haben.“ Wer innehält, sich und seinen Geist beruhigt, tut auch seinem Körper Gutes, lädt die eigenen Batterien mit auf und kann die eigene schöpferische Kraft besser erschließen. Und manchmal gärt es in uns unterschwellig länger, bevor eine Idee wirklich einen fortgeschrittenen Reifegrad erreicht. Das ist völlig in Ordnung. Zwang jedenfalls ist ein schlechter Ratgeber.

 

LETZTE BEITRÄGE