Eine Umarmung kann Wunder wirken

Ob als Kleinkind mit aufgeschrammten Ellenbogen, als Teenager beim ersten Liebeskummer oder am Ende eines schwierigen Tages – eine tröstende Umarmung hilft über Schmerzen jedweder Art hinweg zukommen und spendet Genuss und allgemeines Wohlbefinden. Dabei sollten Berührungen und Körperkontakt nicht ausschließlich als Trost angesehen werden. Eine herzliche und ehrlich gemeinte Umarmung kann sehr viel mehr und beschert euch kleine Genussmomente, trotz stressigem Alltag. Damit das überhaupt erst möglich ist, ist euer Tastsinn gefragt. Dieser ist dafür verantwortlich, dass ihr eure Umwelt viel bewusster und genüsslicher wahrnehmen könnt, als ihr vielleicht denkt.

Bewusst fühlen, bewusst genießen

Die Haut ist euer größtes Sinnesorgan. Über 3.000 Sinneszellen befinden sich auf gerade einmal einem Quadratzentimeter Haut. Eigentlich nur logisch, dass Berührungen wie zärtliches Streicheln oder eine wohltuende Massage vom Menschen als besonders genussvoll wahrgenommen werden. In der Hektik des Alltags bleibt leider immer weniger Zeit für diese Art von bewusstem Fühlen und Tasten. Wann habt ihr euch das letzte Mal Zeit dafür genommen mit nackten Füßen über frisch gemähtes Gras zu laufen oder in einem wohligen Schaumbad zu versinken? Die menschlichen Fingerkuppen sind besonders empfänglich für äußerliche Reize und können euch intensive Genussmomente bescheren, wenn ihr beispielsweise einfach nur über die Rinde eines Baumes streicht. Probiert es aus und lasst euch bewusst auf diesen Moment ein. Schließt eure Augen und blendet alles bis auf das Gefühl unter euren Fingern aus. Wie wichtig und genussvoll einfache Berührungen sein können, erfahrt ihr auch in unserem Videoclip „Tastbar“.

Menschen brauchen körperliche Nähe

Dabei können Genussmomente dieser Art noch intensiviert werden, wenn ihr beispielsweise einen Menschen berührt, der euch viel bedeutet. Gegenseitiges Streicheln und Schmusen ist elementar für ein gesundes Leben und wie Martin Grunwald im Jahr 2015 in einem Artikel der Wochenzeitung „Die Zeit“ erklärt, so wichtig „wie die Luft zum Atmen“. Grunwald arbeitet als Professor für Wahrnehmungspsychologie an der Universität Leipzig und erforscht die Auswirkungen von taktilen Reizen auf den Menschen. In einem Beitrag des Deutschlandfunks vom Februar diesen Jahres spricht er unter anderem über die elementare Erforderlichkeit von Berührungen für das Wachstum von Menschen in der sehr frühen Kindheit. Laut ihm gibt es „kein neuronales oder körperlich-zelluläres Wachstum ohne ein adäquates Maß an Körperverformung, sprich Körperberührungen.“ Im Laufe des gesamten Lebens haben Umarmungen also positive Auswirkungen auf den Körper. Bei einer herzlichen Umarmung wird nämlich das „Kuschelhormon“ Oxytocin ausgeschüttet, so Experten. Dieses hilft bei Stress und gegen zu hohen Blutdruck. Wahrscheinlich kennt ihr es auch, dass man sich nach einer festen Umarmung gleich besser fühlt. Berührungen können auch schon in geringen Dosen einen positiven Effekt haben. Studien haben beispielsweise ergeben, dass Kellner und Kellnerinnen mit einem höheren Trinkgeld rechnen können, wenn sie den Gast vorher leicht berühren. Und Professoren können bei ihren Studierenden mit einem Schulterklopfen den Druck und Stress vor einer Prüfung verringern.

Leichte Berührung, große Wirkung

Ihr seht also die vielen Vorteile, die etwas so Simples wie eine leichte Berührung mit sich bringen kann. Gerade jetzt, wenn die Abende wieder kühler werden, ist die Zeit gekommen, sich mit den Liebsten draußen auf einer Decke oder Bank zu kuscheln. Betrachtet gemeinsam den Sonnenuntergang oder streicht langsam über den Untergrund, auf dem ihr sitzt. Blendet alles aus, bis auf euren Tastsinn und genießt bewusst die gemeinsame Nähe und die Berührungen.