Genuss durchs Singen

Wer kennt das nicht: Man steht oder sitzt in einem Konzertsaal, und wird regelrecht mitgerissen von der Wucht der menschlichen Stimme oder bekommt sogar eine Gänsehaut. Die menschliche Stimme ist das ursprünglichste Musikinstrument, das es gibt. Kein Wunder, dass uns ein Chor noch mehr bewegt als ein Orchester. Findet das Ganze in einem geeigneten Raum statt, einem Saal, einer Höhle, einer Kirche, einem „Klangraum“, wird diese Wucht noch verstärkt. Zuhören ist wunderschön (Anregungen zum bewussten Hinhören findest du auf dieser Seite). Selber singen hingegen ist ein aktiver Akt. Wer singt, tut sich selbst etwas Gutes, egal ob man gemeinsam oder alleine singt. Unser Körper ist ein Resonanzraum, wir spüren also am ganzen Körper, wenn wir singen. Beim Singen wird uns warm. Beim Singen sind wir ganz im Hier und Jetzt. Beim Singen können wir Gefühle herauslassen, beim Singen entstehen aber auch Gefühle. Melodien lösen Erinnerungen und Emotionen aus. Liedertexte können uns gefallen, erheitern, berühren. Unsere Stimme spiegelt in jedem Fall unsere Stimmung wider.

Ein Gastbeitrag von Dr. Eva Derndorfer, Wien

 

Singen, egal wo und mit wem

Singen kann man fast überall. Man braucht weder andere Personen, noch Gegenstände, um singen zu können. Noch besser ist es aber, gemeinsam zu singen, nach dem Motto: „Wo man singt, da lass dich ruhig nieder, böse Menschen haben keine Lieder“. Gemeinsam singen hat sich in allen Kulturkreisen entwickelt und verbindet uns ebenso wie gemeinsames Essen. Denn beim Singen wird das Kuschelhormon Oxytocin ausgeschüttet – dasselbe Hormon, das die Wehen beim Geburtsprozess einleitet, für das Stillen des Säuglings wichtig ist und bei Umarmungen oder Massagen ausgeschüttet wird. Interessant ist aber auch, dass sich beim Singen im Chor die Herzfrequenzen aller Sängerinnen und Sänger angleichen. Man muss nicht gleich in einen Chor eintreten. Das Singen mit anderen geht auch beim sogenannten Rudelsingen. Was das ist und wo solche „Rudeltreffen“ stattfinden, sagt dir diese Webseite.

Singen für mehr Entspannung

Singen ist aber auch heilsam. Bist du oft gestresst? Dann versuche es mal mit Singen – das befreit! Es funktioniert, weil wir beim Singen tief in den Bauch atmen. Das entspannt und steigert die Sauerstoffversorgung. Außerdem werden beim Singen Stresshormone wie Cortisol abgebaut und Glückshormone wie Serotonin ausgeschüttet. Das macht uns gelassen, froh und zufrieden, bereits nach einer halben Stunde singen.

Du bist ängstlich? Singen hilft auch bei Angst oder depressiver Stimmung. Denn beim Singen werden Endorphine ausgeschüttet, die Schmerzen reduzieren und zu Euphorie führen. Singen kann daher sogar Therapie sein.

Du bist anfällig für Erkältungen? Singen stärkt deine Abwehrkräfte! Nach ausgiebigem Singen kann man im Speichel Antikörper finden, welche etwaige Krankheitserreger bekämpfen. So kann man sich für den nächsten Winter rüsten – das wissen wohl die wenigsten.

Ob im Auto oder unter der Dusche, im Chor oder in der Karaokebar, am Berg oder am Sportplatz, singen ist immer Balsam für die Seele. Zumindest solange, bis man einen Ohrwurm bekommt. Wenn du Kinder hast: Singe Kinderlieder, tagsüber, aber auch abends zum Beruhigen! Wenn es deine Arbeit erlaubt, singe auch dort – oder sonst auf dem Weg dorthin. Es muss kein meditativer oder ritueller Gesang sein, um Wirkung zu entfalten. Auch beim Wandern lässt sich gut singen.

Jeder kann singen

Du meinst, Du kannst nicht gut singen? Jeder Mensch kann singen und summen. Singen ist eine der ältesten Kulturtechniken. Es geht nicht darum, möglichst schön, laut oder hoch zu singen, Hauptsache man singt beherzt. Jeder singt in seinem eigenen Tempo und in seiner Tonlage. Auch wenn es Klänge und Melodien gibt, die alle Menschen als harmonisch empfinden – zu singen ist im wahrsten Sinne des Wortes immer stimmig. Ein Hoch auf die Mundmusik!

Genusstipps:

  • Wer Hemmungen beim Singen hat, singt zu lauter Musik. Die kann, wenn man erst mal im Singen drinnen ist, wieder leiser gemacht werden.
  • Zum Singen rausgehen in die Natur.
  • Mit Freunden, die auch keine Profisänger sind, singen – und sich am gemeinsamen Singen erfreuen.
  • Hobbychöre bzw. Laienchöre ermöglichen regelmäßiges Singen in der Gruppe, ohne für einen Auftritt zu trainieren. Vielleicht gibt es einen in deiner Nähe? Schau nach Rudelsingen-Treffen.
  • Auf die Atmung achten. Lege deine Hand auf den Bauch, die Bauchdecken soll sich beim Einatmen heben.
  • Dranbleiben! Wer öfter singt, hat nicht nur häufigen Genuss, sondern trainiert auch Stimme und Gehör, wird also als Draufgabe auch noch besser.