Über den Advent und Adventskalender

Ein Adventskalender ist ein Geschenk, das lange währt. Jeden Tag schenkt er dir einen kurzen Genussmoment, eine kleine Auszeit, eine Überraschung. Der Adventskalender erinnert uns auch jeden Tag aufs Neue an Weihnachten und schürt unsere Vorfreude. Für uns bedeutet Advent oft Genuss und Harmonie, eine Zeit zum Wohlfühlen. Man steckt einen Schoko-Weihnachtsmann in einen Stiefel, legt etwas Weihnachtsmusik auf und genießt die (hoffentlich) stressfreie Zeit bis Weihnachten. Denn: In der Vorfreude liegt schon Genuss!

Wie die Schokolade hinters Türchen kam

Es wird dich vielleicht überraschen: Aber Adventskalender sind ein Brauch mit Tradition. Es waren wohl die Protestanten, die vor Jahrhunderten damit begonnen hatten, die Wartezeit bis Weihnachten zu verkürzen. Denn: Mit der Reformation und der von Martin Luther abgelehnten Heiligenverehrung im 16. Jahrhundert wurden die bei Kindern begehrten Festtagsgeschenke vom Nikolaustag auf die Weihnachtstage verlegt. In reicheren Familien setzten sich leckere Lebkuchen durch, die jeden Tag gereicht wurden. In den Haushalten der Armen wurden z. B. Kreidestriche an die Wand oder Tür gemalt, die von den Kindern Tag für Tag weggewischt werden durften. Die ersten Kalender, wie wir sie heute kennen, waren noch zum selbstbasteln, DIY! Man schnitt kleine Bildchen aus und beklebte einen Pappkarton oder die Fenster damit.

Adventskalender sollten also beim Zählen helfen und die Wartezeit bis zum Weihnachtsfest erträglicher machen – oder besser und wie oben schon erwähnt: Vorfreude schüren. Unterschieden wurde nach bürgerlichem und kirchlichem Adventskalender. Der säkulare startet noch heute zum 1. Dezember und zählt die Tage bis Heiligabend. Der kirchliche Kalender hingegen beginnt mit dem 1. Advent, der ja bekanntlich noch im November liegen kann, und endet entweder zu Weihnachten oder zu den Heiligen Drei Königen am 06. Januar des Folgejahres. In manchen christlichen Kirchen beginnt die Weihnachtszeit am 11. November und dauert bis zum 2. Februar an (Mariä Lichtmess).

Die ersten Adventskalender mit köstlicher Schokolade hinter den Türchen erschienen erstmals wohl ab den 1950-er Jahren. Seitdem sind sie nicht mehr wegzudenken und erfreuen sich Jahr für Jahr größter Beliebtheit. Dabei sind viele Kalender mit wunderschönen Motiven geschmückt und die Schokoladen werden in unterschiedlichsten Formen, Varianten und Verpackungen präsentiert. Allein das tägliche „Türchen öffnen“ kann zum Erlebnis werden – und viele Erwachsene werden für einige Momente wieder zum verspielt-begeisterten Kind. Wunderbar.

Wenn euch die Geschichte der Schokolade interessiert, dann wagt mal einen Blick in das Schokoladenmuseum in Köln oder in das ChocoVersum in Hamburg.

Schlemmen oder Fasten?

Bei mir, wie vielleicht bei euch auch, wird während der Adventszeit gut gegessen. Lebkuchen, Stollen, Nüsse, Mandarinen, Spekulatius, Schokofrüchte, Sonntagsgänse oder ein wunderbarer Braten. Sucht ihr noch Inspiration für festliche Gerichte? Dann probiert doch unseren köstlichen Rinderbraten mit Printensauce aus. Der Advent ist ein Fest voller Köstlichkeiten, der Aromen und der Düfte – kurzum der Sinne. Früher war das ganz anders. Der Advent war eine Fastenzeit. Da wurde nicht nur wenig gegessen und getrunken, sondern komplett auf Fleisch und Milchprodukte verzichtet.

Festessen zu Advent und Weihnachten: Ein sanft gegarter Rinderbraten ist immer ein Gedicht. Mit leckeren Printen könnt ihr die Sauce einfach und schmackhaft verfeinern.

Feier oder Flaute?

Dass die Adventszeit zum Feiern da ist, das muss man niemandem mehr sagen. Ob ein entspanntes Zusammenkommen mit Freunden, die betriebliche Weihnachtsfeier oder einfach das besinnliche Beisammensein mit der Familie: Wir verstehen den Advent als eine festliche Zeit, zu der Feiern und Singen dazugehören wie die Butter zum Brot. So wird es euch vielleicht verwundern, dass früher sowohl das Tanzen als auch das Feiern in der Adventszeit strikt verboten war. Je nach liturgischer Auslegung war Advent ein Fest der Buße (in Zentraleuropa), das Fest der Menschwerdung Gottes (im römischen Reich), oder ein asketisches Fest (in der orthodoxen Kirche). Tatsächlich wird auch heute noch in manchen orthodoxen Gemeinden während des Advents gefastet.

Was bleib da noch übrig?

Unser Adventsfest ist heute, darüber bin ich froh, etwas profaner, als es das früher war. Trotzdem lassen sich noch viele Bezüge herstellen. Immer noch ist der Advent ein Fest der Lichter. Es ist ein Fest für kreative Geister, die sich gerne im Basteln oder Dekorieren austoben. Auch das Liedersingen hat in den letzten tausend Jahren kein bisschen seiner Popularität eingebüßt. Natürlich darf auch der traditionelle Adventskranz nicht fehlen – genau wie der Besuch beim Weihnachtsmarkt.

Weihnachtsmärkte gibt es nun schon seit mehr als 700 Jahren, mit ihrem Spielzeug, der Krippe und den aromatischen Gewürzen. Der Münchener Nikolausmarkt (heute: Münchner Christkindlmarkt) wurde erstmals 1310 urkundlich erwähnt. Der „Frankfurter Weihnachtsmarkt“ zählt zu den ursprünglichen und sogenannten echten alten „Weihnachtsmärkten“. Zum ersten Mal wurde er im Jahr 1393 urkundlich erwähnt. Er ist mittlerweile ein Exportschlager, der allein in Großbritannien in vier Städten von zumeist deutschen Schaustellern betrieben wird: in Birmingham, Manchester, Edinburgh und Leeds.

Einer der Kerngedanken des Adventsfestes ist auch heute noch stark verwurzelt: die Besinnlichkeit. Wir erinnern uns an all die Personen und die Dinge, die uns wichtig sind. Und diese Einkehr kann wunderbar sein und uns viel Genuss bescheren. In diesem Sinne, habt eine genussreiche Adventszeit!